Textil Revue | Startseite
Die Schweizer Fachzeitschrift für die Textil - und Modebranche
Business
07.06.2019

Charta für nachhaltige Mode «Made in Switzerland»

Kerenzerberg-Charta für nachhaltige Mode

Am 5. Juni 2019 wird die Charta für nachhaltige Textilien auf dem Kerenzerberg vorgestellt. Diese Charta soll Unternehmen, die sich um eine sozialere und nachhaltigere Entwicklung bemühen, im In- und Ausland Orientierung geben.

In Anbetracht der Notwendig- und Dringlichkeit, die umweltschädlichen und für die Gemeinden entlang der Lieferkette schädlichen Praktiken in der Branche zu beenden, erarbeitete eine Gruppe von Fachleuten aus Schweizer Textil- und Modeunternehmen eine Charta für die Entwicklung besserer Industriepraktiken. Die Schweiz mit ihrer reichen Geschichte und Tradition kann stolz sein auf ihre Kompetenz bei der Entwicklung hochwertiger Garne, Herstellungsverfahren und Maschinen. Heute können Schweizer Unternehmen auch eine Führungsrolle übernehmen, um ihre Unternehmen und diejenigen, auf die sie Einfluss haben, zu einer positiveren Kraft in der globalen Textilindustrie, für die Umwelt und die Gemeinden entlang der Kette zu machen. 

Mit ihren elf Leitsätzen ruft die Kerenzerberg-Charta die Führungskräfte auf, Fragen zu stellen, Transparenz zu fordern und kontinuierlich nach Verbesserungen zu suchen. Sie fordert Unternehmen auf, die Verantwortung dafür zu übernehmen, wie die Arbeitnehmenden entlang der Lieferkette betreut werden, von sicheren Arbeitsbedingungen über faire Löhne bis hin zur Entwicklung der Angestellten. Und sie fordert die Unternehmen auf, Verantwortung für den Umweltschutz zu übernehmen: Wege zur Bekämpfung der Wasser- und Luftverschmutzung, zur Vermeidung giftiger Chemikalien, zu Rohstoffvielfalt und Tierschutz zu finden. 

Die Nachhaltigkeitsthemen, mit denen die Branche konfrontiert ist, sind komplex, tief verwurzelt und global ausgerichtet. Um die Branche zu «bereinigen» ist Zusammenarbeit entscheidend. Dies erfordert Änderungen der Beschaffungspraktiken, der Herstellungsverfahren, der Vertriebssysteme sowie des Verbraucherverhaltens und der End-of-Life-Szenarien für Textilien. Aufgrund ihrer Art und Ziele fordert die Charta Offenheit und Zusammenarbeit zwischen den Interessengruppen der Branche. 

Die Charta, die beim dritten Kerenzerberg Future Forum Ethical Fashion in Glarus Nord lanciert wird, ist ein erster Schritt, um Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre Praktiken für Mensch und Umwelt zu verbessern und die der Unternehmen, mit denen sie zusammenarbeiten, zu beeinflussen. Die Charta kann genutzt werden, um Führungskräfte sowie Mitarbeitende zu inspirieren und interne Entscheidungsprozesse zu steuern. 

Auf der Veranstaltung am 5. Juni 2019 wird eine gemeinsame Aktion in Gang gesetzt und eine Gemeinschaft von Fachleuten aufgebaut, die bereit sind, ihr Wissen darüber auszutauschen, wie sie in nachhaltige Lösungen investieren, und die offen sind, bei den Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert sind, um Unterstützung zu bitten. Ob grosse oder kleine Unternehmen, Fachleute aus allen in der Textilindustrie tätigen Firmen sind eingeladen, an der Bewegung und dem Gespräch darüber, wie wir alle mehr Gutes einbetten können, teilzunehmen. 

«Die Modebranche nachhaltiger zu machen, ist eine gemeinsame Verantwortung, die sowohl die Entschlossenheit einzelner Unternehmen, auf ihre eigene Weise zu handeln, als auch die Offenheit zur Zusammenarbeit erfordert, um die komplexen Herausforderungen, mit denen wir alle zu tun haben, zu bewältigen.» – Martine Nieuwenhuis, Good Brand Guru

 

Über die Charterautoren und die Arbeitsgruppe 

Die Kerenzerberg-Charta für nachhaltige Textilien wurde in einem gemeinsamen Prozess von Experten verschiedener Organisationen entwickelt. Tobias Meier von Ecos, einer Umweltberatung, und Vorstandsmitglied von MaxTex, einem internationalen Verband von Unternehmen der Textilindustrie, lieferte wichtige Einblicke in alle Aspekte, denen sich Unternehmen in der Branche gegenübersehen. Martin Klötli von Glärnisch Textil und Andrea Gerber von Nahwerk IDM gaben wertvolle Einblicke und Kenntnisse über die Bedürfnisse und Prioritäten der Schweizer Textilindustrie. Philipp Scheidinger vom Swiss Fair Trade und Susanne Rudolf von Fashion Revolution Switzerland stellten sicher, dass alle Ziele des Arbeitnehmerrechts berücksichtigt wurden. Die unabhängigen Berater Simona Matt und Coty Jeronimus gaben Einblicke in die Aspekte, die beim Sourcing zu berücksichtigen sind. Jeannette Bucher, CEO von Lola studio, brachte ihre Sichtweise als Einzelhändlerin ein. Martine Nieuwenhuis, Mitbegründerin von Good Brand Guru, einer Netzwerkorganisation, die den Wissensaustausch und die Zusammenarbeit zwischen Nachhaltigkeitsexperten und Fachleuten aus dem Mode-Einzelhandel ermöglicht, spielte eine wichtige Rolle bei der Gestaltung von Offenheit und Zusammenarbeit im Prozess und in der Art der weiteren Entwicklung der Charta. 

Noémie Schwaller