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Business
15.08.2019

Kopenhagener Messen: Nordisch Nachhaltig

Recyceltes PET, Trinkbehälter aus Pappe und Umweltbewusstsein an jeder Ecke – die August-Ausgaben der Kopenhagener Modemessen waren vor allem eines: nachhaltig.

Etwas leerer als sonst erschienen einige Hallen der Copenhagen International Fashion Fair (CIFF), doch das sollte der ausgelassenen Stimmung keinen Abbruch tun. Kim Kristensen, Sales Director von DK Company, zeigt sich zufrieden. Kein Wunder: An seinen Ständen wimmelt es vor Menschen. «Der erste Tag ist bereits gut angelaufen, so kann es weitergehen», freut sich der Däne. Seiner Meinung nach braucht eine funktionierende Messe eine gute Kommunikation mit den Ausstellenden und ein Bewusstsein dafür, was wichtig ist. «Wir müssen aufpassen, nicht alle mit dem Rest der deutschen Modebranche mitzujammern, aber es ist tatsächlich so, dass internationale Ausstellende nach Kopenhagen kommen und eben nicht mehr nach Berlin.» Zwar habe auch er nicht das Geheimrezept für den Messestandort Berlin, ist sich aber sicher, dass Messen einen grossen Aufwand an Kommunikation betreiben und Flexibilität und Dynamik gegenüber ihren Kunden beweisen müssen, um weiterhin erfolgreich agieren zu können.

Ein ausschlaggebender Punkt einer Messe ist sicher der Fokus auf Nachhaltigkeit. So sind auch die dänischen Messen auf den Zug mit aufgesprungen, und das zurecht. Das Thema bestimmt den Markt, wer nicht mithält, bleibt auf der Strecke zurück. Sowohl auf der CIFF als auch der Revolver waren zahlreiche nachhaltig agierende Labels zu entdecken, auf letzterer sogar bewusst als solche mit den «Sustainable Delevopment Goals» der UN gekennzeichnet. Zahlreiche Events rund ums Thema klärten auf und dienten der Netzwerkerweiterung. So auch die Initiative «Meet the Nordics», die mit Gesprächen, Panel Talks und Networking zum Thema einen spannenden, innovativen und informativen Event veranstaltete. Neben 20 anderen war auch das dänische High Fashion Label Gestuz mit von der Partie. «Was vielen gar nicht bewusst ist, ist dass Gestuz schon länger nachhaltig unterwegs ist. Wir freuen uns, dass die Kopenhagener Messen immer eco-fairer werden und mehr Bewusstsein für unsere Umwelt schaffen», so Maria Baré Johansen, PR- und Marketingmanagerin der Marke.

«Nachhaltigkeit wird in naher Zukunft immer und immer wichtiger werden», ist sich auch Rikke Baumgarten, Mitgründerin von Baum und Pferdgarten, sicher. «Wer sich dessen nicht bewusst ist, wird in den nächsten Jahren vom Markt verschwinden», ergänzt ihre Geschäftspartnerin Helle Hestehave. So seien bereits jetzt 44 Prozent der Kollektion von Baum und Pferdgarten nachhaltig und das ganz klar im Storytelling der dänischen Marke verankert.

Doch nicht nur umweltschonende und faire Produktion von Kleidern, sondern auch ihre Langlebigkeit wurden thematisiert. Vestiaire Collective präsentierte gemeinsam mit der Copenhagen Fashion Week eine Styling Lounge, in der sich ausgewählte Gäste Fashion von
Vestiaire Collective sowie dänischen Marken wie Ganni, Stine Goya, Soulland und Brøgger für die Shows ausleihen konnten. Mit der Initiative möchte Vestiaire Collective das Bewusstsein für einen bedachten, nachhaltigen Umgang mit Mode und das Prinzip von Circular Fashion – wobei die Lebensdauer eines Kleidungsstücks durch Wiederverkauf und Wiedernutzung verlängert wird – stärken.

Aylin Aslan