Textil Revue | Startseite
Die Schweizer Fachzeitschrift für die Textil - und Modebranche
Fashion
09.02.2017

Elfe Edition Suisse begeistert mit vielen neuen Gesichtern

Schweizer Mode auf dem Teppich geblieben

Die elfte Edition der Mode Suisse präsentierte einen gewohnt niveauvollen Querschnitt durch das Schweizer Modeschaffen. Erfrischend waren einige neue Gesichter, die sich neben den Key-Designern der Plattform von Yannick Aellen nicht zu verstecken brauchten. Sogar der Catwalk bestand für einmal aus textilen Schweizer Kreationen. Für Standing Ovations sorgte erneut Überflieger und Mode-Suisse-Liebling Julian Zigerli. Aber auch Neuzugang Garnison und die persischen Inspirationen von Lida Noba begeisterten den gewohnt bis in den letzten Winkel besetzten Saal im Migros Museum für Gegenwartskunst in Zürich.

Branchentypisch etwas zu spät kündigte auch zur elften Ausgabe der Mode Suisse das Abreissen der Schutzfolie – die jeweils den Catwalk schützt, bis alle Gäste Platz genommen haben – den Start der Laufsteg-Show an. Diesmal liess Mode-Suisse-Chef Yannick Aellen seine Models, darunter international erfolgreiche Gesichter wie Anthony Thornburg und Natalja Neumeister, nicht einfach über einen hübschen Laufsteg defilieren: Fantasievolle Teppiche von Nadja Stäublis Label Schönstaub sorgten für «cosy Feeling» unter den Füssen der Models.

Internationaler denn je
Julian Zigerli und Julia Seemann haben ihre aktuellen Kollektionen bereits in Paris und Berlin ­gezeigt. Mit ihren oft dekonstruierten, auf unerwartete Weise gelayerten Looks mit Punk-Attitude sorgte Julia Seemann auch im Migros Museum für Gegenwartskunst für Begeisterungsstürme. Ihr frecher Stil ist angesagt, wird auch von internationalen Stylistinnen und Stylisten für ­berühmte Kundinnen wie Sängerin Rihanna gerne verwendet. Ein Hauch persische Eleganz wehte mit den femininen, von Herbstfarben inspirierten Kreationen von Lida Noba durch die Show-Location, in der die Mode Suisse am 7. Februar 2017 bereits zum wiederholten Male zu Gast war. Lida Nobakht konnte ihr Glück, 2017 zur Sélection Officielle zu gehören, kaum fassen. In ihrer Heimat war die Iranerin bereits eine bekannte Haute-Couture-Designerin, bevor sie in der Schweiz ihr jetziges Label gegründet und noch einmal bei Null angefangen hat: «Meine Mode ist anders, die Inspiration aus dem Iran ist unverkennbar.» Ein ­Neuzugang in den Reihen der ­Mode-Suisse-Designer war Luka ­Maurer, ein Paradebeispiel eines erfolgreichen Schützlings der Plattform: Bei der ersten Edition war der junge Designer als Student der Genfer HEAD mit dabei – 2017 feierte er in Zürich die ­Première seines Labels Garnison. Der Westschweizer schwärmte vor der Show vom «neuen» Männerbild, das Weiblichkeit und maskuline Mode vereint. Seine modernen Kreationen, die sich immer um den dreiteiligen Anzug drehen, überzeugten nicht nur mit viel Detailliebe, aufwendigen, texturierten Stoffen und zeitlosen Schnitten – die Styles begeisterten nicht zuletzt mit ihrer Unisex-Tragbarkeit. Auch Luka Maurers Ehefrau erzählte begeistert, dass sie die Mäntel und Sakkos gerne trage. Der Westschweizer Neuzugang ergänzte nicht nur die Key-Designer Lyn Lingerie, EnSoie, Adrian Reber und Julian Zigerli sehr gut, er vermochte sogar It-Blogger, Influencer und Burgerketten-Inhaber Carl Jakob Haupt – der zusammen mit Facehunter Yvan Rodic die It-Clique in der Mode-Suisse-Front-Row bildete – so zu betören, dass dieser den jungen Designer auf seiner ­Dandy-Diary-Instagram-Seite erwähnte.

Die Katze aus dem Sack lassen
Schliesslich war es aber vor allem wieder Überflieger Julian Zigerli, der die Menge besonders mitzureissen vermochte. Spätestens, als seine Models zum epochalen «Memory» von Barbara Streisand sanft wippend, mit beinahe herzzerreissender Trauermiene über die Schönstaub-Teppiche schritten, klatschte das Publikum energisch. Mit seinem Katzen-Pullover hat es der Zürcher Designer dann auch wieder geschafft, eines der absoluten Must-haves des Abends zu kreieren. Mittlerweile beinahe so bekannt wie der Designer selbst ist auch seine Familie. Auch diesmal filmte Papa Zigerli den Sprint seines Sohns über den Laufsteg stolz mit. Nach dem tosenden Applaus für Julian Zigerli ging Special Guest Dorothee Vogel beinahe ein wenig unter – ihre femininen Kreationen, die mit verschiedenen Silhouetten und voluminösen Daunen­jacken spielten, sorgten aber trotzdem für einen krönenden Abschluss eines gelungenen Schweizer Modeabends, der so international anmutete, dass man sich ebenso in Paris oder New York wähnen konnte – würde man nicht überall die bekannten Schweizer Gesichter sehen, die sich keine Edition der Mode Suisse entgehen lassen, wie Christa de Carouge, Gerold Brenner, Luisa Rossi oder auch Michael von der Heide.

Geschichte schreiben
Wenn doch meist vor allem die grossen Highlights in Erinnerung bleiben, sind es manchmal doch gerade die «leisen» Töne, die Bestand haben. Adrian Rebers Mode spricht für sich – leise, aber mit Nachdruck. Upcycling ist für den Berner Kreativen eine Lebenshaltung. Saison für Saison lässt er gebrauchte Materialien in seine Kollektion einfliessen, die so zu neuem Leben erweckt werden. Die Gucci-inspirierte Opulenz findet sich auch in seinen Haka-Kreationen, die teilweise aus über 100 Jahre alten Stoffen bestehen, die einst in einem Schweizer Grand Hotel eingesetzt und von Adrian Rebers Familie bis heute aufbewahrt wurden. Saison für Saison wird an der Mode ­Suisse Geschichte geschrieben. Das nächste Kapitel befindet sich bereits in Arbeit. Und noch bis zum 25. Februar 2017 zeigt die Mode Suisse bei EnSoie an der Strehlgasse in Zürich eine spannende Auswahl an Schweizer ­Design.

Mehr Impressionen vom Catwalk finden Sie in unseren Bildergalerien. 

Gisèle Luther